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Peter Handel

Peter Handel

Peter Handel

Seit der Erfindung unterschiedlicher Medien zum Zwecke der Bildspeicherung, allen voran der Fotografie, ist die Debatte um die Relevanz der Malerei nicht verstummt. Seit den anarchischen Konzepten Marcel Duchamps der der Malerei jede weitere Bedeutung versagte, seit den Malern die zur Fotografie wechselten wie Alexander Rodtschenko oder durch die heute mehr und mehr verschwimmenden Grenzen zwischen den künstlerischen Disziplinen an den Kunsthochschulen oder in zeitgenössischen Ausstellungen steht der Malerei in der modernen Kunst ein disparates Feld unterschiedlicher Zuschreibungen gegenüber. Einerseits überfordern diese Positionen ihre Möglichkeiten, andererseits dezimieren sie ihr Potential gegen Null. Tröstlich mag aber sein, dass nichts tot ist solange man darüber mit Vehemenz nachdenkt und streitet und solange es Künstler gibt die sich der Malerei bedienen.

Das Vorspiegeln einer Realität, heute würde man sagen virtuellen Realität, war dabei schon immer eine der vielen möglichen Strategien der malenden Künstler. Die Einführung der Zentralperspektive, die frühen Panoramen die Ende des 18. Jahrhunderts die Betrachter in Erstaunen ob der lebens-echten Umgebung versetzten oder die Dioramen mit denen einer der Erfinder der Fotografie nämlich Jacques Daguerre zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Paris große Erfolge feierte, alle sind notwendige Vorstufen zur heutigen Medienvielfalt und Wege zu den veränderten Sehgewohnheiten mit denen wir diese Medien auch verstehen lernen.

Die Einflüsse wirklichkeitsabbildender oder wirklichkeitssimulierender Bilder wurden schon sehr früh und oft auch kritisch aus der Perspektive der Malerei diskutiert, kürzlich hat eine Ausstellung im Museum für Neue Kunst in Karlsruhe den aus meiner Sicht lohnenden und fast schon überfälligen Versuch unternommen, die Einflüsse der Medienkunst, speziell von Fotografie und Film auf die klassischen Künste Malerei und Bildhauerei zu untersuchen. Deutlich wurden die Wirkungsweisen der jahrhundertelangen Erfahrung mit Malerei auf die ach so Neuen Medien wie Computerinstallationen, Videoprojektionen oder Mixed Media Installationen. Ein wunderbares Zeugnis für die gegenseitig befruchtende Begegnung zweier Welten.

Bei Peter Handel begegnen sich ebenfalls zwei Dimensionen, und das in mehrerlei Hinsicht. Da ist zum einen der Diskurs mit fotografischen Bildern.

Zeigt man jemandem eine Arbeit von Peter Handel als Reproduktion im Katalog oder auf einer Karte, wie Sie eine solche hier als Einladung zu dieser Ausstellung auch erhalten haben, so erhält man – wenn dieses Bild aus der Werkgruppe der Akte stammt – von Betrachtern die den Künstler nicht kennen häufig ein verstehendes Lächeln.

Aha, ein Mann fotografiert junge Frauen in erotisierender Pose und huldigt so dem gängigen Schönheitsideal. Der Betrachter setzt sich dabei unbedacht dem Verdacht aus, er öffnete eine Schublade und wollte diese Arbeiten dann in eine der vorschnell entwickelten Kategorien einsortieren, was aber eigentlich schon allein wegen der großen Formate nicht gelingen kann.

Sagt man jenem Betrachter dann, dass diese Arbeiten keine Fotografien sondern Malerei sind, so folgt zunächst ein ungläubiges Staunen, vielleicht Zweifel und dann erst wird genauer hingeschaut. Der Versuch, durch Nahsicht diese Zweifel anhand der Machart zu zerstreuen gelingt aber nicht, da die Druckraster in jedem Fall gröber sind als das fotografische Korn oder eben die Pinselstruktur.

So muss dann in jedem Fall das Original bemüht werden und hier zeigt sich das gleiche Phänomen. Die Betrachter gehen häufig sehr nahe an die Leinwand um die Binnenstruktur zu ergründen und die oben genannten Zweifel zu beseitigen und erleben erst durch sehr genaues Hinsehen eine Klärung der Frage. Peter Handel berichtete, dass es sogar Besucher in Ausstellungen gäbe die versuchen den gemalten Tesafilm abzuknibbeln.

In seinen Arbeiten reflektiert Handel durch die akribische Nachahmung über das fotografische Abbild und die Zeichenhaftigkeit dieser Fotografien, eine Arbeit die angesichts des momentan viel diskutierten Terminus iconic turn von hoher Aktualität geprägt ist. Der Gipfelpunkt dieser Auseinandersetzung findet sich in den Arbeiten in denen sich neben der gemalten Ebene auch noch scheinbar eingeklebte oder aufgehängte Fotos befinden. Peter Handel widmet dabei allen Teilen des Bildes die gleiche intensive Aufmerksamkeit, dem Faltenwurf eines Tuches ebenso wie der kaum differenzierbaren Struktur einer Tapete wie der samtigen Oberfläche der Haut.

Dann ist da die zwiefache Begegnung mit dem Maler Peter Handel. In altmeisterlicher Tradition die einen Bilder, in höchster Konzentration und Perfektion gefertigt, wohlgesetzt und überlegt. In mehreren Schichten, durch lasierenden Auftrag und eine genaue Modulation von Licht und Schatten, von Plastizität und Form entstehen die großformatigen hochrealistischen Akte. Fotografische Vorlagen dienen lediglich der Vergewisserung, das Ergebnis ist ein Prozess zwischen den Polen Perfektion und Subjektivität. Peter Handel sagt dazu: „Fotografie ist subjektiv auf der Ebene des Fotografen hinter der Kamera, der feststellende Apparat ist dann objektives Instrument, ich hingegen male meine Fotos subjektiv“. Das wird besonders deutlich durch eine Betrachtung der Fotos in der Ausstellung und der daraus resultierenden Arbeit. Hier wird klar, welche Kunstgriffe und welch malerische Umsetzung mit dieser Subjektivität korrespondieren. Hier wird deutlich wie der Künstler sich seinem Bild annähert, es dann aber auf sehr subjektive Weise zu einem eigenständigen Ergebnis führt.

Auf der anderen Seite steht der gestische, impulsive Peter Handel, informell und mit deutlichem Duktus entstehen nervöse Ansammlungen farbiger Strukturen. Mag man diese Arbeiten auf den ersten Blick auch als Gegenpol sehen, so sind sie für Handels Verständnis nur andere Zustände die aber einem ähnlichen Weltbild entspringen. Die Farbklänge sind gelegentlich identisch denen der fotorealistischen Bilder, entstammt die Anregung dieser informellen Arbeiten doch gleichermaßen dem Gesehenen wie Naturausschnitten als auch der Ansammlung von Farbspuren auf der Palette des Malers und ist somit gleichen Ursprungs.

Die Ambivalenz in der Arbeit Peter Handels verhindert auch eine vor-schnelle Positionierung innerhalb der Kunstgeschichte. Da sind Anklänge an die amerikanischen Fotorealisten denen Handel aber in seiner künstlerischen Anfangszeit schon voraus war. Und da sind Spuren von Vermeer wenn man sich die Behandlung des Lichts ansieht, weich und sphärisch scheint es von außerhalb in den Bildraum und formuliert das Körperhafte. Durch die Position und das Ambiente, durch die Abbildung faltenwerfender Textilien erhalten die Kompositionen allerdings etwas Skulpturales. Die Geschlossenheit der Komposition verweist auf die abgebildete Person, enthebt sie der Gefahr des Verallgemeinerns und gibt ihr eine individuelle Präsenz, akzentuiert den Menschen und nicht das Objekt. Die Figuren werden isoliert, Unwichtiges wird weggelassen, die Betonung liegt damit auf der personalen Präsenz des Modells.

Diese Wertschätzung ist es auch die diese Bilder abhebt von vielen anderen Aktdarstellungen. Akt als zentrales Thema der Malerei auftretend in vielerlei Gesicht, wird hier Mittel zum Zweck der Betonung des Menschen, ja des Menschlichen an sich. Daher sind die meisten der Arbeiten, selbst Abbildungen von Personen auf den kleinen Trompe l’oeil Arbeiten letztlich lebensgroß.

Zu den genannten Vorgängern und Parallelen schafft Peter Handel aber immer wieder den Sprung in einen aktuellen Zeitbezug. Einer allgemeinen Zuschreibung des weiblichen im Sinne einer klassischen Symbolik vorbeugend fügt er hin und wieder individuelle Merkmale wie Piercings oder Ohrlöcher hinzu oder belässt diese bei seiner Umsetzung. Hier wird die Zeitgenossenschaft deutlich, es sind eben FrauenBilder aus der Jetztzeit, real und greifbar. Somit steht Peter Handel in einem sehr aktuellen Kontext und stellt die wichtigen Fragen zur richtigen Zeit.

Ditmar Schädel

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