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Astrid Brandt

Astrid Brandt

Astrid Brandt

Astrid Brandt erfindet die Welt der Dinge neu in Gestalt “sachlich” erscheinender Zeichnungen (…). Dabei legt die Zeichnerin eine Möglichkeitsform des anderen Sehens der Dinge frei, eine, die beharrlich neben der achtlosen Wahrnehmung von Banalitäten behauptet und vorgeschlagen wird. Wie unter sanftem Zwang lässt man sich von diesen Bildern führen: Ja, so könnte man dieses Objekt oder jene Situation sehen; man möchte dem Vorschlag folgen.
Um der ästhetischen Suggestivität willen hält sich die Zeichnerin aus ihren Bildern heraus, indem sie den Dingen und Räumen aus der Distanz eines scheinbaren Unbeteiligtseins ihr anderes Sosein bestätigt und ihnen damit einen anderen Platz in unserem Wahrnehmungshaushalt zuweist. Sie enthält sich beim Zeichnen jeder subjektiven Geste, sie achtet nur darauf, dass die sorgsam inszenierte Fremdheit und Eigenständigkeit der Dinge (man denke an das Astrid Brandt – Chaiselongue – Detail – Zeichnung philosophisch hin- und hergewendete “Ding an sich”) und ihr würdevolles Auftreten, aber auch ihre bei aller Selbstverständlichkeit unbegreifliche Anwesenheit im Raum dem Betrachter zu schaffen machen.
Gert Selle, aus: Astrid Brandt – Bleistift Papier. Monographie, Braunschweig 2000

Die menschenleeren Räume zeigen eine gestaltete, geformte Welt, die hier gleichsam vor uns aufgeführt wie in einem virtuellen Museum. Die Klarheit der Zeichnung korrespondiert mit der Ordnung der Dinge, die sich selbst noch in einer geöffneten Schublade in peinlich genauer Systematik präsentieren. Sorgfältigst bewahrte Erinnerungsstücke einer kalten, sich ihrer Modernität bewussten Industriegesellschaft, die sich überlebt hat.
Astrid Brandt – Cubiculum – Detail – Zeichnung
Die Bilder lassen uns in der Schwebe von Befremden, ja Fremdheit, beinahe Abgestoßensein von der Anonymität und Kühle und gleichzeitigem Angezogensein von der Reinheit, Klarheit und dadurch vermittelten Ruhe und Dauer. >>> mehr
Margot Michaelis, aus: Astrid Brandt – Bleistift Papier. Monographie, Braunschweig 2000

Nach drei Wochen Urlaub kommt man abends in seine Wohnung zurück, öffnet die Wohnzimmertür, schaltet das Licht an und der Blick fällt auf Stühle, Sessel, Tisch und Sofa, und man registriert eine merkwürdige, kurz anhaltende Verblüffung: Ist mit den Möbeln etwas geschehen, haben sie – in den drei Wochen außer Funktion – ihr Aussehen, genauer gesagt: ihr Fluidum verändert, das spürbar den Raum füllt?
Vergleichbares kann einem widerfahren, wenn man durch die Fensterscheiben einer Kneipe am Ruhetag oder in eine Sparkasse um 18:00 Uhr kuckt: eine nur Sekunden dauernde Verwunderung nämlich angesichts allzu bekannter Gegenstände, die hier merkwürdig fremd erscheinen, als stünden sie nicht in der Realität einer automatisierten Wahrnehmung, sondern in einer traumähnlichen Situation. (…)
Dingwahrnehmungen der – sozusagen – anderen Art, Minimal-Verzauberungen -: die ergeben sich meist nur dann, wenn man leicht ermüdet oder gedankenverloren seine Blicke schweifen lässt – wie eben vor der Kneipe am Ruhetag. Und genau solche Gegebenheiten hält Astrid Brandt fest. Ihre Objekte scheinen einzig aufgebaut, um hier jenen in der Norm-Realität meist kurzlebigen Moment ihrer geheimnisvollen Verwandlung zu dehnen. (…)
Hier sind die Dinge unter sich! Und genau deshalb erzwingen sie nachdrücklich, dass man registriert, wie sie vor-, neben- und hintereinander stehen, wie Durchblicke, Überschneidungen, Abstände auffällig werden, und dass diese gereinigten (…) menschenleeren Räume – erstaunlicherweise ohne surreale Sensationen – einen permanenten atmosphärischen Druck ausüben, den der Betrachter spürt. Zugleich treten auch die Gegenstände selbst mit besonderer Eindringlichkeit hervor. Sie scheinen einander dabei zu helfen,Astrid Brandt – Observatorium – Detail – Zeichnung ihre bislang kaum beachtete Geschichte zu vermitteln, ihr “So-Sein”, ihre Holz-, Textil-, Plastikseele zu offenbaren.
Armin Schreiber, aus: “Kammerspiele mit Möbeln”; Ausstellungskatalog: “Den Dingen auf den Grund gegangen”; Zeichnungen und Graphik von Astrid Brandt, Brigitte Geiler, Fritz Koch und Hans Jörg Rothenpieler. Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, Sögel 2001

Astrid Brandt entwickelt in ihren Zeichnungen einen Realismus von derart großer Intensität, die das Dargestellte in paradoxer Weise eben gerade von der Realität entfernt. Und wer die Werke mit einem imaginierenden Auge anschaut, der vermag zu einer Lesart voller Ironie gelangen, der vermag mit ihnen in die Vergangenheit und Gegenwart reisen. Eine Fotografie des gleichen Sujets kann dies im Rahmen ihrer technischen Gegebenheiten, ihrer Fokussierungen und Unschärfen, so nicht erreichen. Das Zeichnen gibt Astrid Brandt Macht über die Dinge, auch über deren Potential eines möglichen Identitätswechsels, über deren Kippmomente. Somit liefern ihre Werke mit Fug und RechtAstrid Brandt – Observatorium – Detail – Zeichnung reichlich Stoff für ein kühnes Plädoyer über die Kraft der Zeichnung.
Annett Reckert, aus: “Sie gab ihm Sex, er gab ihr Klasse!”, Katalogtext zu: Astrid Brandt – inwendig auswärts; Monographie, Städtische Galerie Delmenhorst, 2013 (Erstveröffentlichung in: kw2, Kunsthalle Wilhelmshaven 2012)

Obwohl sie alle nur möglichen Graustufen erfassen, die zwischen den Polen Schwarz und Weiß liegen, sind diese unbunten Zeichnungen die farbigsten, die man Astrid Brandt – Observatorium – Detail – Zeichnung sich denken kann. Vielleicht so, wie man das Grau in den Theaterstücken von Samuel Beckett als farbiges Leuchten gerühmt hat.
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Michael Stoeber, aus: “Porträts vom Menschen”, Katalogtext in: 21. Salon Salder, Schloss Salder, Salzgitter 2011

Astrid Brandt setzt ihre handwerkliche Präzision ein, um aus alltäglichen Astrid Brandt – Observatorium – Detail – Zeichnung Gegenständen Poesie und Schauspiel zu entbinden und unsere Wahrnehmung neu auszurichten. Sie überwindet das Abbild nicht durch Abstraktion, sondern indem sie tief in alle Fasern der Oberflächen eindringt und damit den Gegenstand zum Wesen befördert.
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Rainer Beßling, aus: “Belebte Büroartikel”, www.kreiszeitung.de, 15.02.2013

So wie die Entschlüsselung der Objekte einen obsessiven Blick verlangt, so fordern auch die Werke von Astrid Brandt eine äußerste Aufmerksamkeit. Betrachten, blicken, schauen. Immer wieder. Wer sich hier keine Zeit nimmt und Hoffnung auf ein schnelles Erfassen und Verstehen hegt, kommt nicht weit. Wem es aber gelingt, sich zu disziplinieren, wer es schafft, alles andere auszublenden, wer es vermag, sich in die Bilder zu versenken, wird auf merkwürdige Stellen stoßen, überraschende Konstellationen erkennen und Echos aus einer Welt vernehmen, die er eben noch verloren glaubte. Es entsteht der Eindruck, als habe sich hier jemand aufgemacht, uns zu zeigen, dass bei aller Drastik und Deutlichkeit der redundanten Bilderfluten Astrid Brandt – Observatorium – Detail – Zeichnung die Dinge noch nicht gänzlich entzaubert wurden, dass alle Aufklärung nicht im Stande war, das Dunkel vollends auszuleuchten und das Geheimnis hinter den Oberflächen zu beseitigen.
Andreas Bee, aus: “Die Waldläuferin”, Katalogtext zu: Astrid Brandt – inwendig auswärts; Monographie, Städtische Galerie Delmenhorst, 2013

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